Das Impostor Syndrom: Warum du dich wie ein Hochstapler fühlst (und es nicht bist)
Hast du Angst, als Betrüger aufzufliegen? Das Impostor Syndrom betrifft viele Macher. Hier lernst du, wie du das Hochstapler-Phänomen und Selbstzweifel überwinden kannst.
KARRIERE
Lukas Nowotny
12/31/20253 min read
Kennst du diesen nagenden Gedanken im Hinterkopf, kurz bevor du ein wichtiges Meeting leitest oder ein neues Projekt startest? Dieser kleine, gemeine Gedanke, der flüstert:
„Hoffentlich merken die nicht, dass ich eigentlich keine Ahnung habe.“
Ich kenne das verdammt gut. Als ich frisch nach der Ausbildung und Weiterbildung zum Ausbilder wurde, stand ich plötzlich vor ein paar junger Menschen, die mich ansahen, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen. Innerlich dachte ich: „Leute, ich bin doch nur der Lukas. Ich hab doch auch nur improvisiert.“
Ich hatte Panik, dass irgendwann einer aufsteht, mit dem Finger auf mich zeigt und ruft: „Betrüger! Der kann das gar nicht!“
Willkommen im Club. Das, was du da fühlst, hat einen Namen: Impostor-Syndrom (oder auf Deutsch: Hochstapler-Phänomen). Und die gute Nachricht ist: Du bist damit nicht allein. Tatsächlich leiden gerade die Leute darunter, die eigentlich richtig was auf dem Kasten haben.
Was ist das Hochstapler-Phänomen eigentlich?
Das Impostor-Syndrom ist die tiefe Überzeugung, dass deine Erfolge nicht auf deinem Können basieren, sondern auf Glück, Zufall oder dem Irrtum anderer.
Du denkst, du hast dich irgendwie „durchgemogelt“.
Das Paradoxe daran: Echte Hochstapler haben diese Selbstzweifel nicht. Die sind von sich überzeugt (siehe Dunning-Kruger-Effekt). Nur Menschen, die reflektiert sind und hohe Ansprüche an sich selbst haben, zweifeln an ihrer Kompetenz.
Deine Angst, nicht gut genug zu sein, ist also eigentlich ein Beweis dafür, dass du deinen Job ernst nimmst.
Realität vs. Dein Kopfkino
Das Problem spielt sich fast ausschließlich in deinem Kopf ab. Wir vergleichen unser inneres Chaos mit der polierten Fassade der anderen. Auf LinkedIn oder Instagram sehen wir nur die Erfolge. Bei uns selbst sehen wir die Zweifel, die missglückten Versuche und die Unsicherheit.
Lass uns mal einen Realitäts-Check machen. Hier ist der Unterschied zwischen dem, was das Hochstapler-Phänomen dir erzählt, und dem, was wirklich passiert:
Dein Gefühl (Impostor-Stimme) --> Die Realität (Fakten)
„Ich habe den Job nur bekommen, weil gerade kein anderer da war.“ --> Du hast den Job bekommen, weil du im Bewerbungsgespräch überzeugt hast und Skills mitbringst.
„Das Projekt lief gut, aber das war reines Glück.“ --> Glück ist ein Faktor, ja. Aber du hast die Vorarbeit geleistet, damit das Glück dich überhaupt treffen konnte.
„Wenn ich eine Frage stelle, halten mich alle für dumm.“ --> Wenn du eine Frage stellst, denken die anderen meistens: „Gott sei Dank hat er gefragt, ich hab’s auch nicht kapiert.“
„Alle anderen arbeiten viel härter und wissen mehr.“ --> Alle anderen kochen auch nur mit Wasser. Sie reden nur seltener über ihre Zweifel.
3 Strategien, wie du Selbstzweifel überwinden kannst
Wir können unser Gehirn nicht einfach neu verdrahten, aber wir können lernen, diese Stimme leiser zu drehen. Hier sind drei Werkzeuge, die mir geholfen haben.
1. Führe ein „Erfolgs-Logbuch“
Als Techniker führen wir Wartungsprotokolle. Warum nicht für dich selbst?
Unser Gehirn ist darauf programmiert, Fehler zu speichern und Erfolge als „normal“ abzuhaken. Schreib dir jeden Abend oder jede Woche drei Dinge auf, die gut gelaufen sind und was dein Anteil daran war.
Wenn die Selbstzweifel kommen, schlag das Buch auf. Schwarz auf Weiß schlägt Bauchgefühl.
2. Sprich es aus (Der VOLDEMORT-Effekt)
Erinnerst du dich an Harry Potter? Die Angst vor dem Namen war schlimmer als der Typ selbst.
Beim Hochstapler-Phänomen ist es genauso. Es lebt von der Geheimhaltung. Sobald du zu einem Kollegen sagst: „Puh, ich hab echt Respekt vor dem Projekt, ich weiß gar nicht, ob ich das hinkriege“, verliert die Angst ihre Macht.
Du wirst überrascht sein, wie oft zurückkommt: „Geht mir genauso.“
3. Ändere deine Definition von Kompetenz
Wir denken oft, kompetent zu sein heißt, alles zu wissen. Das ist Quatsch. In einer Welt, die sich so schnell dreht wie heute, kann niemand alles wissen.
Wahre Kompetenz ist nicht das Wissen selbst, sondern die Fähigkeit, sich Wissen zu beschaffen.
Wenn du die Antwort nicht kennst, aber weißt, wie du sie findest – dann bist du der Profi. Nicht der Hochstapler.
Fazit: Du bist gut genug
Du musst nicht perfekt sein, um anzufangen. Du musst nicht perfekt sein, um gut zu sein.
Das Impostor-Syndrom wird vielleicht nie ganz verschwinden. Immer, wenn du deine Komfortzone verlässt (z.B. bei einer beruflichen Neuorientierung), wird es sich kurz melden. Begrüße es wie einen alten, nervigen Bekannten: „Ach, du wieder. Danke für die Warnung, aber ich mach das jetzt trotzdem.“
Vertrau auf deine Fähigkeiten. Du bist nicht durch Zufall da, wo du bist. Du hast es dir erarbeitet.
Passend dazu:
Fühlst du dich bereit, deine Selbstzweifel hinter dir zu lassen, aber dein aktueller Job lässt dich nicht wachsen? Dann wirf nochmal einen Blick auf meinen Artikel: „Keine Motivation mehr im Job? 5 Anzeichen, dass du innerlich schon gekündigt hast“.
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